Das Waarschip

Zwischen 1968 und 1976 wurden ca. 1500 Waarschip-725 auf der gleichnamigen Werft in Holland gebaut. Größere Stückzahlen erreichten neben der 725 nur die kleineren Boote Waarschip-570 (620Stück) und Waarschip-600 (650Stück). Insgesamt verkaufte die Waarschipwerft bis 1997 über 4000 Waarschips von der 570 bis zur 1220 (Die Zahl gibt immer die Länge des Bootes an). Weitere Informationen dazu kann man leicht im Internet finden. Alle Boote wurden bis 1990 aus Bootsbausperrholz  gebaut.

Das Konzept der Werft, Bausätze mit fertigen Rümpfen zu verkaufen, bevorzugte natürlicherweise die kleineren Boote. Das waren Bauprojekte, die sich doch viele zutrauten, um mit wenig Geld zu einem kleinen Dickschiff zu kommen. Heute mag man über diese Bezeichnung lächeln, werden doch erst Boote ab 10m als richtige Yachten angesehen. Folgerichtig bezeichnet man Boote in dieser Größenordnung heutzutage als Daysailer oder auch Taschenkreuzer. Ich sage zu meiner 725 liebevoll Kieljolle mit Dach.

Dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Boote als Multiknickspanter äußerst stabil gebaut sind und bei guter Pflege sehr langlebig sein können. Zudem gelten sie als seetauglich und gerade die kleineren Ausführungen haben für ihre Größe ein enormes Geschwindigkeitspotential. Deshalb war die 725 als Kwarttoner auch ein beliebtes Regattaboot. Mit moderner Racern kann sie natürlich nicht mehr mithalten.

Eine Waarschip-725 ist ein sehr lebendiges Boot. Wackelig und rank dürfte das Boot gut charakterisieren. Durch die Bauweise mit rundem Steven und auslaufenden schmalen Heck bedingt hat eine 725 allerdings ein sehr gutes Seegangverhalten. Zudem sagt man den Waarschips nach, sie schwämmen wie ein Korken auf dem Wasser. Gerade bei leichten Winden spielen kleine Waarschips ihre Vorteile aus, von 0 auf 5 Knoten in 2-3 Sekunden soll erst einmal jemand nach machen. Relativ schnell wird die Rumpfgeschwindigkeit von etwa 5,5 Knoten erreicht. Surfen geht aber auch noch.

 

Reine Daten

Länge:  7,25m

CWL:     5,50m

Breite:  2,50 m

Tiefgang: 1,25m (Standard, auch Versionen mit 1,00m oder 1,50m)

Gewicht:  1200kg

Gusskiel: 600kg

Segelfläche am Wind:  20 qm (Standard, amica modifiziert 24 qm)

Spinnacker: 36qm (Standard, amica modifiziert 44qm)

Amica wurde 2003 mit einem höheren Rigg ausgestattet, deshalb die Abweichungen vom Standard.

 

 Meine Waarschip-725 „amica“

Über meine 725 gab es leider keine Unterlagen aus der Bauphase.  Aufgrund der Baunummer 1107 konnte ich aber die ungefähre Bauzeit auf das Jahr 1972 eingrenzen. Der Bausatz muss gegen Ende 1971 ausgeliefert worden sein. Stapellauf dann spätestens 1973, denn in diesem Jahr gab es bereits erste Regattaergebnisse auf der Oberelbe.

Diese 725 wurde von einem Tischler zusammen- und ausgebaut, was man insbesondere in der Liebe zum Detail unter Deck  und der Sorgfalt bei allen Verbindungen sehen kann. Diese gute handwerkliche Ausführung hat mich 1989 sofort zum Kauf verführt. Ich habe sie fast aus erster Hand bekommen, ein Intermezzo meines Voreigners von 2 Jahren kann man übersehen. Heute kann ich nach vielen Überarbeitungen bestätigen, das Boot ist kerngesund.

Inzwischen wurde „amica“ über Jahre hinweg einem Refit unterzogen, einige technische Neuerungen sind eingebaut und seit 2003 wurde sie konsequent auf Regatta getrimmt. Nun beginne ich allerdings, sie auch tourentauglich zu machen. Dazu mehr unter Refit.