Refit

Refit ist eigentlich immer

Es hat nie das eine Refit gegeben und es wird sicher immer wieder größere Überholungsarbeiten geben.  Es wäre auch Blödsinn, wenn man glaubt, mit einmaligem gründlichen Überarbeiten hätte man für immer Ruhe. Nach einigen Jahren ist dann doch mal wieder was fällig oder man hat neue Ideen. Dazu kommt, dass die Entwicklung der verschiedenen Produkte (Farben, Kleber, Abdichtmassen und Öle) sowie leichtgängigere Beschläge immer wieder zu Anpassungen bei ‘normalen’ Winterüberholungen verleitet. Gut, wenn man kompetente Beratung in unmittelbarer Nähe findet. Am Hamburger Yachthafen in Wedel gibt es so etwas: die Yachtprofis.

So habe ich über die Jahre verteilt verschieden Projekte in Angriff genommen und, was viel wichtiger ist, jedes Detail des Bootes untersucht. Das braucht einfach Zeit. So entstand eine Prioritätsliste, es gab dringende Dinge und Dinge, die ganz weit nach hinten geschoben wurden.

Leider habe ich nur vom größten Projekt, der Erneuerung des Teakdecks, Bilder. Ich führe deshalb hier nur chronologisch alle Änderungen und Erneuerungen.

Zunächst sollte es gute Pflege sein, denn das Boot war ja in einem guten Zustand. Alle Teakteile wurden gründlich bearbeitet und Handläufer und Süll aus optischen Gründen gegen das erneute Ergrauen unter Lack gesetzt. Zuviel ergrautes Teak macht aus einer Waarschip wirklich ein Warship, zumal auch noch das Cockpit grau gestrichen war.

Eine Modernisierung des Handlings war dringend erforderlich:

  • Umlenkung der Fallen und Strecker ins Cockpit, heutzutage selbstverständlich
  • vernünftige Klemmen
  • Trimmmöglichkeiten des Großsegels, Cunningham, Unterliekstrecker
  • kugelgelagerte Blöcke auch für die Schoten

Die Segel waren langsam dran und da Waarschips nicht mehr auf dem Stand heutiger Segeltechnik sind, sollte auch ein vergrößertes Rigg her. 2003 bekam amica einen neuen Mast, knapp 2 m mehr. Das führte dann zu etwa 10% mehr Segelfläche. Mit heutigen Segelschnitten verträgt eine Waarschip grundsätzlich mehr Segelfläche, damals hat man das noch nicht so genau ausgerechnet und blieb lieber auf der sicheren Seite, also etwas untertakelt.

Die Vergrößerung war eine Voraussetzung für die Teilnahme ein vielen Regatten. Entsprechend ist das Boot nach und nach in einen Regattatrimm gekommen, mit entsprechenden Beschlägen. In ersten Linie ging es hier um Spibeschläge.

Nun galt mein Interesse vermehrt dem Zustand des Bootes, also was sich so unter der Farbe verbarg. Innen ist ja alles „naturbelassen“, man kann also sofort Verfärbungen im Holz erkennen, die Vorstufe zum Gammel. Alle Farbe musste herunter, was zum großen Teil mit Schleifen geschah (grob mit 60iger, letzte Reste mit 80iger, fein mit 150iger). Es gab kaum etwas zu mäkeln.

2005 war das Unterwasserschiff dran, im achteren Bereich musste zwischen Ruder und Heck die Nut ausgefräst werden, da war nur Kit drin!? Mit einer Mahagonileiste und Epoxi wurde dieser Bereich perfekt wieder abgedichtet. Anschließend wurde der Unterwasserbereich 6x mit 2K-Grundierung versiegelt.

2008 Innen angefangen, noch nicht fertig. Dies geschieht hauptsächlich aus optischen Gründen, es ist sichtbar alles gesund.

2012 Ruderlager ausgewechselt

2015 dann die  Außenhaut. Im achteren Bereich gab es eine kleine schadhafte Stelle in der ersten Sperrholzschicht, darunter war alles in Ordnung. Auch die Außenhaut wurde mit 2K-Grundierung versiegelt und dann noch mit 2K-Lack gemalt.

Ein Fazit: Das Holz befindet sich nach 40 Jahren immer noch in einem guten Zustand. Keine aufwendigen Reparaturen waren notwendig. Dies ist sicher der guten Pflege zu verdanken.

 

Das größte Projekt: Erneuerung des Teakdecks 2014

Das alte Teakdeck habe ich zwar immer mal wieder bearbeitet, Pfropfen erneuern, Fugen neu vergossen und kleine Stellen ausgebessert, doch irgendwo zog Wasser durch. Um das darunterliegende Sperrholz zu erhalten, entschloss ich mich nach intensiver Beratung: alles runter und neu.

Eine intensive Planung war der erste Arbeitsschritt. Wieviel Meter Stabdeckleisten waren notwendig, wieviel Meter Leibhölzer, Scheuerleiste, Schlingerleiste, Kleber, Fugenmasse, Gewichte und Schraubzwingen. Und Maschinen: E-Hobel, Bandschleifer und Exzenterschleifer.  Alles sollte schon bereit liegen, bevor das Boot überhaupt in die Halle kam.

Beschläge abbauen geht auch schon im Wasser, mit freundlicher Unterstützung helfender Hände.

helfende Haende

Wichtig: vor dem Hobeln, alle Schrauben raus. Das Hobelmesser dankt es.

SAMSUNG

Nur 9 dieser Plastikbeutel blieben vom Deck übrig.

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Das Deck nach dem Hobeln

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Das Deck nach dem Schleifen

Schleifen

Zunächst der Fisch, nur ein Brett, in dem die Leisten einzeln eingearbeitet werden. Wo ist denn nur die Mitte oder muss ich mich an Schiefbau gewöhnen (statt Schiffbau)?

Fisch

Die Randleiste mit noch nicht gerundeter Scheuerleiste

Randleiste1

 

Erstes Einarbeiten im Fisch

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Leisten, Leisten und Leisten; nur geklebt, nix geschraubt

Leisten2    Leisten

Leisten 1

 

Gegen Ende

Letzte Arbeiten

Fugen abkleben, damit des Teak sauber bleibt. Hat aber nicht viel genützt.

Verfugen

Das Ergebnis

Ergebnis 1

Ergebnis 2

Und ist der Skipper zufrieden?

Zufrieden

Das wird nicht verraten, denn er kennt die Stellen, wo……

 

2017 Refit, fitter und ganz fit

So, nun habe ich wohl endlich das tourentaugliche Boot. Ein wenig Elektronik, ein wenig Gemütlichkeit, ein wenig Backschaftsbereich und natürlich die Ästhetik durfte nicht fehlen. Diesen Winter muss ich nur noch den Lackpinsel schwingen, alles andere ist geschafft.

Das Gedöns am Heck fällt jetzt jedem auf, doch ist dieses Jahr nur der Antennenmast dazugekommen, und den sieht man kaum. Und natürlich werde ich deshalb immer wieder gefragt, wo es denn hin gehen soll. Ja, auch so kann man Kontakte knüpfen.

Unter Deck habe ich den Umbau genutzt, um einmal alte Kabel (ca. 15 Jahre alt) durchzutauschen und die Schalttafel neu aufzubauen. Die Navi- und Kommunikationsecke auf engstem Raum, geht doch.

Die Schalter rechts wirken ein wenig selbstgestrickt, aber vorgefertigte Schalttafeln sind mir einfach zu groß und dazu noch zu teuer. Kurz im Elektronikfachhandel nachgeschaut und siehe da, man kann alles in Bauteilen selbst zusammenstellen. Die Ästhetik lässt sich noch verbessern, aber es funktioniert alles und das ist das Wichtigste.

Und dies ist meine Kuschelecke im Vorschiff. Die Polster sind aus drei Lagen Schaumstoff verschiedener Dichte – das weichere natürlich oben – zusammengeklebt. Der Stoff nennt sich Microfaser Alcantara mit Teflon. Ist zwar sehr heller Stoff, soll aber fleckenunempfindlich sein. Gut, insbesondere das Nähen hat viel Zeit gebraucht – ich bin ja schließlich kein Fachmann. Aber das Ergebnis kann sich echt sehen lassen.