Über die Nordsee zurück

Das Feeling an der Nordsee ist anders, die Luft schmeckt anders, die See hört sich anders an und der Blick kann hier ganz weit gehen. Hier merke ich zum ersten Mal, ich bin ganz weit weg von zu Hause. Dabei ist es Luftlinie oder auf der Straße überhaupt keine Entfernung. Doch alle Belastungen sind wie weggepustet. Ich könnte es hier sehr lange aushalten.

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Zurück von hier sind es maximal 4 Törns bis Sylt und dann noch mal 3 bis in die Elbe, nach Hause segeln geht also sehr schnell. Aber wir haben jetzt September und das ist eine ungünstige Zeit, um an der Westküste südwärts zu fahren. Nach nur einen Tag Pause mache ich mich auf den Weg, auch deshalb, weil sich Starkwindtage ankündigen. In sanfter Dünung fahre ich unter Motor bis Thorsminde, weil kein Wind geht. Nach einer Nacht in diesem Fischerhafen geht es bei ablandigem Wind nach Hvidesande. Und hier erwischen mich die Starkwindtage, eine Woche muss ich dort bleiben bei bis zu 8-9 Bft aus NW. Das stört mich aber keineswegs, obwohl ich wieder einmal einziger Gast im Hafen bin. Ein anderes Boot liegt verlassen am gleichen Ponton.

Hvidesande3

Hvidesande4

Hvidesande2

Ich genieße die Sicht auf das tobende Meer und die sehr beachtliche Brandung. Die Nordsee wird hier schnell tief und die Wellen laufen fast ungebremst bis an den Strand.

Dies ist kein Plastikdingi und auch kein Zeitraffer, meine amica wird nur von den Böen bewegt!

Hvidesande 1

Das ist Hvidesande binnen, der Ringkøbingfjord, ganz friedlich

Nach dem Abflauen des Windes lasse ich die Nordsee sich einen Tag beruhigen.  Am nächsten Tag gibt es nur noch eine sanfte Dünung.  Ich mache mich auf den langen Törn (50sm) nach Fanø. Selbstverständlich nehme ich nicht den Weg um das Horns Rev (20sm lang) herum, auch die beiden betonnten Rinnen sind mir noch zu weit draußen. Aber dicht unter Land gibt es das Ringkøbing Dyb, unbezeichnet, aber tief genug. Und da nur wenig Wind geht, kann man das wagen. Nördlich des Revs muss ich durch ein militärisches Sperrgebiet, das auch sehr weit (10 sm) in die Nordsee raus reicht. Und die schießen hier doch wirklich. Da gerade der Wind abflaut, nehme ich schnell den Motor zur Unterstützung. Natürlich gehe ich davon aus, dass die sich meine amica nicht als Ziel aussuchen.

Gegen das ablaufende Wasser muss ich dann in das Grabdyb nach Esbjerg rein, puuh, das kann lang werden. Am Ende macht es aber gar nichts, denn der Hafen von Fanø fällt extrem trocken. Ich komme nach 2 Stunden Warten erst um 21.30 Uhr hinein. Da ist es schon dunkel.

Barbara möchte mich noch einmal besuchen und wir verabreden uns auf Sylt. Das ist zwar nicht weit, doch die Tide läuft extrem ungünstig. Hier raus muss ich morgens früh schon zum Teil gegen auflaufendes Wasser fahren, aber nach List durch den Ellenbogen rein strömt es dann erst einmal gewaltig ab. So bin ich erst gegen 18 Uhr bei Niedrigwasser im Hafen und Barbara wartet bereits auf dem Schlengel.

Der Lister Hafen ist ein Loch mit Spundwänden, landseitig nennt man dies hier Gosch-City. Trotzdem bleiben wir einen Tag hier, gehen Essen (nicht bei Gosch) und genießen diesen spätsommerlichen Tag. Von Sylt geht es nach Hörnum und nach eingehender Information durch die DGZrS wähle ich dabei den Weg dicht unter Land an Hörnums Spitze – das Hörnumloch. Dies sollte man aber wirklich nur bei ruhigem Wetter und null Seegang wagen, am besten bei leicht ablandigem Wind.

Nach einem weiteren Tag mit Barbara mache ich mich auf den letzten Teil der Reise. Bei ziemlich schlechter Sicht – Regenwetter – wage ich mich durch die Amrum Odde. Pricken sind hier eher Anhaltspunkte, nach Aussagen einiger einheimischer Segler stehen die Pricken eigentlich immer falsch. Das „Fahrwasser“ war jedenfalls sehr flach und nach einer Zitterpapier ohne eine Handbereit Wasser unter dem Kiel habe ich diese Odde nach einer Stunde hinter mir, wohlgemerkt bei normalem Hochwasser! Ich glaube, dass ich hier nicht noch einmal durchfahre.

Auf Amrum gibt es wieder fünf Tage Pause, weil der Wind fast immer aus S bis SW kommt und durchaus 5-6 Bft hat.

Amrum1

amica im Schlick

Amrum2

Schlickschluchten

Wolke1

Es kam aber nichts raus, auch wenn es noch so gefährlich aussieht!

wolke2

Doch auch das ist ja mal zu Ende und ich brauche ja nur einen Tag in die Elbe. Das ist ein langer Weg, wenn nicht viel Wind geht, trotz guter Stromausnutzung, ablaufend bis St. Peter querab, auflaufend durch die Norderelbe und das Luchter Loch, habe ich 11 Stunden gebraucht. Bis zum Schluss bei 2-3 Bft aus NW unter Segel.

Dafür leiste ich mit einen letzten Hafentag in Cuxhaven, aber auch, weil es mal wieder mit 7 Bft bläst. Den Weg die Elbe hoch begleiten mich sehr tief hängende Wolken, die Sicht geht manchmal gegen Nebel und es ist sehr feucht. Noch eine Nacht in Glückstadt und von dort mit der Frühtide – Start um 6.40 im Dunkeln – dann den Rest unter Motor gegen schwachen SO-Wind.

Um 9.35 Uhr bin ich wieder daheim, aber irgendwie doch nicht. Es wird dauern, bis ich mich hier wieder eingelebt habe. Anderes Zeitgefühl, andere Abläufe und viele Menschen.

Ich werde wieder losfahren!