Der Törn nach Thyborøn

Nach einem Tag Pause in Rudkøbing, letzten Arbeiten am Deck und kleinen Lackierungen, breche ich am 11. August um 10 Uhr auf.  Zwar ist schönstes Sommerwetter, doch geht einmal wieder kein oder schwacher Wind aus Nord. Da zudem der Strom südwärts setzt habe ich keine andere Möglichkeit, als unter Moto nach Norden zu brummen. Es zeigen sich ein paar Tümmler, die erstaunlich dicht trotz des Motorlärms herankommen. Gegen 15 Uhr erreiche ich Nyborg, immer noch null Wind. Der Weg nach Norden fühlt sich immer so an, als ob da Dinge im Süden bleiben, man lässt etwas zurück. Heute hatte ich erstmalig in Ansätzen diesen Eindruck.

Der nächste Tag überrascht mich einer schönen leichten Brise. Das Ablegen geht so schnell, dass das Boot noch gar nicht segelklar war. Hauptsache ich bin einmal wieder unter Segel. Gut, demnächst werde ich das wohl entspannter angehen. Es war einfach nur die Vorfreude auf einen schönen Tag unter Segeln. Unter der Storebelt-Brücke wähle ich wie immer meine Durchfahrt für kleine Boote. Nach Kjerteminde folgt  eine tolle Kreuz, insgesamt 20 sm und dann den tollen Brugsen von Kjerteminde, indem man wirklich alles bekommt.

Der Wind hat über Nacht seine östliche Richtung eingenommen, wie vorhergesagt. Bis Romsø fahre ich wieder unter Motor, auf dieser Strecke kann man sich kreuzender Weise lange aufhalten. Ich will ja nach Norden und nach der Spitze bei Romsø gibt es einen schönen Anlieger nach Samsø. Nur Ballen ist nicht zu halten, also warum nicht die Westseite, Kolby Kaas? Da war ich sehr sehr lange nicht mehr. Die letzte Meile bis zum Hafen musste wieder der Motor ran, kein Wind. Kolby Kaas ist ein trostloser Ort geworden, keine Versorgungsmöglichkeiten und kaum Segler. Die wissen wohl inzwischen, dass sich das hier nicht lohnt.

Nächster Tag: Trotz der angesagten Ost 8-13m/s, Böen bis 15m/s will ich bis Ebeltoft durchsegeln. Zunächst in der Abdeckung von Samsø und dann einmal quer rüber in die Ebeltoftbug. Vorsichtshalber nehme ich nur die G3, doch dann lasse ich mich verleiten, an der Nordspitze von Samsø das Großsegel zu setzen, denn bisher war da nicht wirklich Starkwind drin. Ein großer Fehler, denn kaum eine halbe Stunde unter vollen Segeln briest es kräftig auf, ich schätze mal 6-7 Bft, also die 15 m/s.  Erst unter Land nehme ich den Großen runter, weil zu viel Seegang steht. Dabei merke ich zum ersten Male, dass meine Pinnenarretierung bei viel Wind nicht viel taugt. Beim Zusammenlegen des Großsegels macht das Boot sehr schnell eine Patenthalse und die G3 kommt back. Natürlich befinde ich mich dann in Lee. Nee, so geht das nicht, auch wenn ich angepickt bin. Sich aus dieser Lage zu befreien, ist nicht einfach. Bei der anschließenden Kreuz nach Ebeltoft rein, werfe ich keinen Blick mehr auf die Karte. Ich kenne ja alles, puh, es geht noch einmal gut. Nachträglich finde ich nämlich eine einzige Untiefe mit 1,2 m, da war ich dicht dran. Eine vernünftige Selbststeuerung und einen Plotter muss her! Den nicht immer kann ich steuern und Seekarten lesen.

Torden

Ebeltoft hält mich wegen angekündigter Gewitter einen Tag fest.

Ich bin immer noch in totalem Segelfieber, am nächsten Tag muss es weitergehen, nach Grenaa. Bei ENE verspreche ich mir einen schönen Anlieger die lange Küste hoch.  Die See nervt allerdings, nicht dass sie hoch wäre, aber kurz. So verliert amica permanent an Fahrt. Dann schläft während eines längeren Nieselregenabschnitts der Wind ein. Nichts mit Anlieger, wenn kein Wind geht. Die letzten beiden Stunden unter Motor.

Die folgenden Tage weht es aus NE bis 6 Bft und dies bedeutet dann in Grenaa eine längere Pause. Das ist auch für mich nicht schlecht, kann ich doch endlich mal viel lesen und spazieren gehen, meistens mit einem Einkauf verbunden.

Es steht in diesem Hafen eine längere Dünung hinein. Die Schwimmpontons sind nur verankert, bewegen sich also in der Dünung hin und her. Die Heckpfähle halten die Boote fest und diese den Ponton. Da braucht man gut befestigte Klampen. Ich habe mich vorsichtshalber in die letzte Ecke des Hafens verholt, denn es gab schon einigen Bruch und losgerissene Boote.

Auch diese Starkwindtage gehen mal zu Ende und nach 4 Tagen mache ich mich auf in Richtung Limfjord. Zwar könnte man hier auch die Bucht aussegeln, doch ich möchte endlich da oben rein, nach Hals. Es ist eine schauklige Angelegenheit und das auch noch bei Wind aus achterlicher Richtung. Nach 8 Stunden dann die Einfahrt in den Limfjord und eine Stunde später fest in Hals. Das war wieder einmal anstrengend, dieses Boot ist nicht für Ostseewelle gemacht. Aber das wusste ich ja schon.

Nun habe ich doch tatsächlich einen ‚Termin‘ in Aalborg: ein ehemaliger Arbeitskollege, der an der Nordseeküste seinen Urlaub verbringt, möchte mich besuchen und Aalborg liegt da sehr günstig. Na, dann mal nach Aalborg und weil das nicht so weit ist, nur unter Kreuzfock. 2 Brücken gibt es und dann kommt auch gleich der Yachthafen. Bis zur Brücke waren es gerade mal 3 Stunden, so macht segeln auch Spaß.

aalborg

Am späten Nachmittag kommt Frank dann wirklich und wir klönen eine ganze Zeit.

Zwar war ich auch hier schon einmal, zumindest bis Nibe, trotzdem beginnt dieser Tag mit einem leichten Kribbeln im Bauch. Das erste Mal einhand in ein neues Revier, der Limfjord ist zwar ein Binnengewässer, doch navigatorisch muss man hier schon gut auspassen. Es gibt eigentlich nur eine betonnte Rinne, alles andere ist extrem flach.

Limfjord1

Limfjord

Da ich segelnd unterwegs bin, nicht so wie viele andere unter Motor, kann ich leider nicht immer fotografieren.  Abends erreiche ich Lögster, der schmale Teil des Limfjords liegt nun bereits hinter mir.

Lögster

Hier ist noch richtig was los, aber auf der weiteren Reise nach Westen wird es zunehmend einsamer. In Nykøbing bin ich einziger Gastsegler und in Lemvig  waren es auch nur 5. Es hat sich jetzt Schauerwetter mit Starkwind aus SW eingestellt. Erst musste ich einen Tag in Nykøbing pausieren und anschließend zwei Tage in Lemvig. Die Nordsee kann man hier schon schmecken, salzige Luft, zumindest bei dieser Windrichtung. Es folgen noch einmal 2 Stunden oder 10 sm nach Thyborøn, die See hat mich wieder. Im Logbuch steht ein einziger Satz: schön hier! Und das stimmt auch!

Thyboroen

Auch in Thyborøn liegt amica ziemlich einsam im Hafen