Der Weg nach Norwegen

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Am 10. Juli mittags, einem Donnerstag, legen wir, Jan und ich, in Wedel ab, sind planmäßig nach 6 Stunden im Kanal und abends um 22 Uhr in der Giselau. Der zweite Tag ist dann der typische Kanaltag – 7 Stunden unter Motor –, danach brauchen die Ohren erst einmal Erholung. Leider muss unser gemütliches Mahl in Kiel im Restaurant unter der Brücke ausfallen, die sind gerade am Renovieren.

Kiel    Ziemlich einsam hier in Kiel

Unser Plan sah für das Wochenende zwei lange Törns nach Kjerteminde vor, doch daraus wird nichts. Wir hatten uns schon in der Planung darauf verständigt, Ziel ist zwar Norwegen, doch nicht um jeden Preis. Windstärken über 5 Bft wollen wir nicht segeln und wenn es knapp werden sollte, drehen wir eben um. So ist der Samstag mit angesagten NW 6-7 Bft eben kein Tag, an dem wir rausgehen. Am Nachmittag schippern wir nur unter Kreuzfock nach Strande.

Der Sonntag zeigt sich segelfreundlicher: wir kommen früh los, rauschen halben Winds aus WNW über die Kieler Bucht und segeln um 14 Uhr bereits in der Abdeckung von Langeland. Hier spüren wir zum ersten Male die sommerliche Hitze, die uns von nun an öfter begleiten wird. In Spodsbjerg mögen wir vor 18 Uhr nicht an Land gehen. Deshalb sind wir am nächsten Morgen um 10 Uhr schon wieder unterwegs. Die 18 sm bis Omø erkreuzen wir uns in 7 Stunden, bei nördlichen Winden, Gegenstrom und insgesamt dann gesegelten 26 sm. Wir segeln! Auch so eine Regel, nicht das Ziel ist uns wichtig, sondern der Weg oder so ähnlich. Über andere, die ihren Motor immer anschmeißen, wenn es an die Kreuz geht, lästern wir gelegentlich. Und die nächsten Tage geht das so weiter, wir segeln, fast alle anderen laufen unter Maschine. Das macht diesen Skippern wohl Spaß, aber uns weniger und es hat ja auch nichts mit Segeln zu tun.

Am Dienstag nach Kjerteminde sind wir auch nicht schneller. Wir schmeißen sogar mal eine Stunde den Motor (!!) an bei absoluter Flaute. Dies werden wir aber niemand erzählen! Auf der anderen Seite sind wir auch froh, erst abends in einen Hafen einzulaufen, an Land wird es langsam unerträglich heiß. Heute sind wir allerdings schon um 15.40 Uhr da und Jan hat sich deshalb noch ausgiebig in der Ostsee abgekühlt.

Der Mittwoch wird uns noch lange in Erinnerung bleiben, als schönster Törn, den wir jemals gesegelt sind. Ziel heißt nur, irgendwas im Norden ersegeln. Um 9.15 Uhr kommen wir los und kreuzen mal wieder fast allein nach Osten zum Romsø-Sund. Der Wind pendelt um E in Stärken 1 – 3 Bft. Um 11 Uhr lassen wir den Romsø-Sund hinter uns und nun segelt es sich prima halben Winds nach Norden. Wir können gemütlich Kaffee trinken, uns viel erzählen und die Fahrt genießen, denn selten zeigt das Speedo unter 5 Kn an. Kurz vor 14 Uhr stehen wir auf der Höhe von Ballen. Über mögliche Ziele reden wir noch nicht, aber natürlich haben wir etwas im Hinterkopf. Um 17 Uhr etwas südlich von Hjelm denken wir schon einmal lauter über eine Nachttour nach. Da an Bord bei dieser Windrichtung (halb) und Stärke (um die 3 Bft) die Versorgung mit Essen und Trinken unproblematisch ist, können wir uns langsam an dieser Idee erwärmen. Um 22 Uhr, querab von Grenaa, ist es entschieden, wir segeln bis Skagen durch!

Und was wird dies für eine schöne Nachtour, immer um die 5 Kn, meist drüber, und das bei E bis 3, kaum Welle, klare Sicht. Richtig dunkel ist es nur zwischen 23 Uhr und 3 Uhr. Um 6 Uhr dampft wieder der frische Kaffee und wir segeln bereits in der Læsø-Rende. Frederikshavn rauscht vorbei. Skagen erreichen wir gegen 11 Uhr. Das war einfach klasse!

Kaum in Skagen angekommen, empfängt uns wieder die Landhitze. Ziemlich rasch zieht ein Gewitter auf und bricht 1 Stunde nach unserer Ankunft aus. Irgendwie haben wir da Glück gehabt. Doch leider bringt der Regen keine Abkühlung. Nach dem Gewitter dampft alles und der Fischgestank im Hafen wird unerträglich. Außerdem ist es sehr laut, so dass wir kaum unseren Schlaf nachholen können. Nach 17 Stunden verlassen wir den Hafen um 4.15 Uhr für den großen Törn über das Skagerrak.

Dieser Törn hat uns in der Vorbereitung am meisten beschäftigt. Klar, mit GPS an Bord ist die Navigation kein Problem mehr, aber wie beständig hält eine Wetterlage an? Bei unserem Freibord eine wichtige Frage, denn größere Seen wollen wir nicht abbekommen. Angesagt ist schwacher SW-Wind und unser Ziel ist Arendal. Am frühen Morgen haben wir absolute Flaute und wir laufen unter Motor. Gegen 5.30 Uhr queren wir Skagens Rev bei 3 m Wassertiefe, immer einem Fischer hinterher. Kaffee ist auch fertig und wir frühstücken erst einmal mit Blick auf die verschwindende Küste Dänemarks. Etwas später springt unser Echolot plötzlich von 100 m wieder auf 3 m. Ein kurzer Blick ins Wasser verrät uns aber, dass hier keine Sandbänke gewachsen sind. Ja, so ist die moderne digitale Technik und was interessieren uns Tiefen ab 100 m oder später sogar knapp 700 m.

Viel wichtiger für uns ist: es geht kein Hauch Wind. Selbst das Wasser bewegt sich nicht und es ist nichts zu sehen, was diesen Zustand ändern könnte. Das große Skagerrak bei absoluter Flaute! So haben wir uns das nicht vorgestellt. Um 12 Uhr, also nach 8-stündiger Fahrt unter Motor, kommt uns zum ersten Mal der Gedanke, das Benzin könnte nicht reichen. Wir müssen wieder segeln. Und wir haben erst knapp die Hälfte hinter uns auf Position 58° 3,9’ N und 9° 55,9’ E. Überhaupt navigieren: wir nehmen alle 2 Stunden unsere GPS Position auf und stellen schon fest, das es Stromversetzungen gibt. Zunächst versetzt der Strom uns ostwärts und später westwärts. Ab 14 Uhr kommt endlich leichter Wind aus SW und dummerweise –  aber logisch – Regen dazu.

Langsam baut sich See auf und vor der norwegischen Küste kommt Dünung dazu. „amica“ kann das hervorragend ab, braucht allerdings einen konzentrierten Rudergänger. Jetzt wird es anstrengender, unsere Ernährung besteht nur noch aus Corny-Riegeln und Mars und dazu Selter. Unter Deck kommt keiner mehr, um dort alles trocken zu halten. Auch Kartenlesen machen wir nicht mehr. Das GPS steckt in der Jackentasche und der Kompass zeigt stur unseren Weg. Die norwegische Küste ist ja nicht zu übersehen, höchsten die Einfahrten in die Schären. Endlich gegen 19 Uhr können wir Torungen Turm ausmachen und um 20.20 Uhr sind wir auch bereits im Galtesund. Die See wird ganz schnell abgestellt und der Wind auch. Um 21 Uhr legen wir in Arendal an und wollen nur noch schlafen.