Schwedens Westküste

Am Samstag bringe ich Jan noch zur Bahn und anschließend machen wir uns auf den Weg nach Schweden. Jetzt wollen wir Urlaub und Erholung in den Vordergrund stellen. Lange Törns sind nicht mehr geplant und wir müssen auch nicht bei jedem Wetter segeln. Doch es beginnt gleich mit Südwind und Nieselregen. Die Østerelva südwärts kann man nicht kreuzen. Wir haben zwar kräftigen mitlaufenden Strom, aber es ist hier zu schmal zum Kreuzen. Wir motoren (!) gegen den Wind, was mühsam ist, und eine spitze kurze See lässt uns ganz schön nass werden. Mit Segeln wird es auch später nichts, als wir den Weg südlich an Ramsøy vorbei und Richtung Ost zur Fugleskjæra nach Schweden wählen.

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Bei Dauerpiesel und schwachen Wind motoren wir doch lieber weiter. Erst nach 3 Stunden, an Schwedens Küste, packen wir die Segel aus, um gemütlich südwärts zu segeln. Wir biegen in die Bucht von Strömstad ab, machen dort aber nicht fest –  zu voll – sondern wählen den kleinen Hafen Marieholm.

Ungünstige Südwinde und Dauerregen lassen uns einen Hafentag einlegen. Doch am darauffolgenden Tag scheint sie wieder, die Sonne. Bei frischen SW-Winden segeln wir durch den Klosterfjorden in den schönen Schärengarten an der schwedischen Westküste. Hier wird wieder viel gesegelt, aber wir treffen fast nur schwedische Segler. Sind wir denn immer noch so weit im Norden? Ja! Später, als wir Havstensund erreicht haben, bewundern wir diesen Schärengarten vom „Gipfel“ einer Schäre aus. Hier kann man wirklich toll segeln und fast immer im geschützten Revier.

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Gut, das mit dem Segeln müssen wir einschränken. Bei den vorherrschenden SW-Winden müssen wir hin und wieder den Motor zu Hilfe nehmen. Es wird jetzt zunehmend voller auf dem Wasser und in den Häfen. Bei dem Gedränge in den engen Durchfahrten können wir uns Kreuzen nicht mehr erlauben.

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Ein kurzer Besuch in Fjällbacka –  touristisch und voll – und wir legen wieder ab und machen lieber an den Gluppo-Schären fest. Hier benutzen wir erstmals Hammer und Felsenhaken. Und in der Nacht hören wir noch oft die Hammerschläge von neu Ankommenden.

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Von hier aus segeln wir in einem Rutsch durch bis Lysekil, obwohl uns auch viele andere Anleger gelockt hätten. Aber wir müssen ja auch mal Süd schaffen. Überall gibt es jetzt „Schwedenlaune“ im Hafen. Fast immer die ganze Nacht durch wird in gemütlicher Runde getrunken und gesungen. Nur morgens ist es auffällig ruhig, da müssen sie wohl alle ausschlafen.

Südwärts kreuzen wir durch die Schärenfahrwasser bis dicht an die Felsen ran. „Geh’ rum, das ist zu dicht!“ „ Wieso, wir haben immer noch 15 m Wassertiefe.“ Ganz schön aufregend hier.

In Möllösund kaufen wir interessanten Fisch frisch von den Fischern und braten ihn gekonnt an Bord. Bis heute wissen wir nicht, was wir da eigentlich gegessen haben. Im Hafen genießen wir wieder die „Schwedenlaune“.  Zum Schlafen mudeln wir nach Angelwiken, ein sehr ruhiger kleiner Hafen. Von dort geht es durch den Kyrkesund und anschließend für einen schnelleren Törn „außen herum“, weil diese schmalen Sunde doch sehr viel Zeit kosten. Außerdem schwindet unsere Begeisterung für diese engen Durchfahrten. Marstrand lassen wir schön westlich liegen und umsegeln auf einer uns bekannten kleinen Durchfahrt östlich von Instön bei 1,8 m Wassertiefe den ganzen Marstrandbereich. Wir wählen Rörö als Hafen aus und sind überrascht, dass dieser Hafen so leer ist. Die Sportskipper sind wohl alle in Marstrand.

Unser letzter Törn in der Schärenwelt führt uns von Rörö durch den Kalvsund leicht ostwärts Richtung Göteborg und dann wieder südwärts in den Askimsfjord. Querab Lerkil spüren wir erstmals wieder die Dünung vom Skagerak und Kattegat. Sie kommt aus Südwest, West und Nordwest. Das ist ein schönes Geschaukel mit unserem kleinen Boot, da auch nicht gerade kräftiger Wind weht.

Wir suchen uns die Bucht bei Hästholmen als Ankerplatz aus. Auf dem Weg dorthin müssen wir vor dem Wind kreuzen, weil „platt vorm Laken“ lässt sich „amica“ kaum noch steuern. Kurz nach der Enge südlich Mönsterudde ist alles wieder spiegelglatt. Unser Versuch, noch einmal an einem Felsen anzulegen, klappt diesmal leider nicht. Unter Wasser machte sich eine Erhebung geräuschvoll bemerkbar. Also ankern wir ganz normal frei schwoiend. Am nächsten Tag ist diese Entscheidung eine gute gewesen, denn es bläst mit 5-6 Bft. aus West. Am Felsen pfeifen die Böen entlang, aber vor Anker drehen wir ganz friedlich hin und her. Wir machen heute einen Ankertag.

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Seit einer Woche haben wir die für uns idealen Segelbedingungen und dazu noch prima Urlaubswetter. 5-6 Bft. sind dann ein guter Grund, einmal nicht zu segeln und eine Runde zu ankern. Einen Tag später fahren wir von hier aus weiter gerade die Küste herunter, jetzt wieder ohne Schutz von Schären, doch das Kattegat und die Ostsee mögen uns dieses Jahr. Es gibt zwar Dünung, aber keine See, obwohl wir ständig auflandigen Wind haben. Über Glommen geht es nach Torekov, auch mal mit Spinacker. Vor Torekov lässt sich Barbara auf ein Race mit einer großen HR ein und gewinnt. Wir haben zwar nicht die Rumpflänge, aber wir surfen die Dünung ab!

Die Temperaturen steigen tagsüber wieder kräftig an, besonders merken wir dies, als wir Dänemark bei Helsingør erreichen. Wir kaufen spät abends ein und gehen noch Essen, weil an Bord alles zu warm geworden ist. Am nächsten Tag legen wir erst nachmittags ab. Wir warten auf Wind und baden am Strand. Barbara genießt noch einmal diesen schönen Sommer auf und an der Ostsee. Morgen ist Wochenende und sie muss von Kopenhagen nach Hause. Mehr unter Motor machen wir den letzten gemeinsamen Törn nach Svanemølle, das wir abends um 21 Uhr erreichen.