{"id":1516,"date":"2018-09-20T14:32:28","date_gmt":"2018-09-20T12:32:28","guid":{"rendered":"http:\/\/waarschip-725-auf-langer-fahrt.de\/?page_id=1516"},"modified":"2021-09-18T11:37:55","modified_gmt":"2021-09-18T09:37:55","slug":"zum-abschluss","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/waarschip-725-auf-langer-fahrt.de\/es\/zum-abschluss\/","title":{"rendered":"Zum Schluss"},"content":{"rendered":"<p>Vielfach wurde und werde ich in letzter Zeit von Leuten angesprochen, die meinen, was ich doch f\u00fcr eine tolle Reise mache oder gemacht habe. Insbesondere erstaunt es mich immer wieder, dass auch langj\u00e4hrige SeglerInnen kaum eine Vorstellung davon haben, wie das so geht mit diesem Boot. Sie w\u00fcrden ja gerne selber solche Reisen unternehmen. Ich glaube das nicht, schon in der Planung denke ich, w\u00fcrde viele auch mit einer 10m-Yacht einknicken, ob der Anforderungen und Strapazen, die da auf einem zukommen. Nicht umsonst scheint hier in diesem Revier die Mindestgr\u00f6\u00dfe bei 12 m zu liegen. Alles andere wird als zu klein betrachtet.<\/p>\n<p>Nur wenige Leute habe ich getroffen, die sich ohne viel nachzufragen ein Bild davon machen konnten, wie anstrengend das alles ist. Insbesondere muss ich da die seefahrenden Engl\u00e4nder hervorheben und auch diejenigen unter den Fahrtenseglern, die ebenso l\u00e4nger unterwegs sind. Die wissen dann schon, was es hei\u00dft, 4 Monate auf einem 7-Meter-Boot zuzubringen. Zudem geh\u00f6ren Engl\u00e4nder ja meist auch zu den Kleinbootseglern unter der 10m-Grenze. Zitat von meinen englischen Freunden: Die gr\u00f6\u00dfere Boote haben, m\u00fcssen viel arbeiten und haben keine Zeit zum Segeln. L\u00e4nger mit dem Boot unterwegs zu sein, ist auch eine Qual. Abgesehen von den vielen Unbequemlichkeiten baut man dazu k\u00f6rperlich ab.<\/p>\n<p>Um es einmal ganz deutlich zu sagen, was ich hier treibe oder getrieben habe ist Extremsegeln. Nicht in der Kategorie schneller und weiter, sondern h\u00e4rter, unbequemer und schlauchender. Und das kann nun einmal nicht jeder aushalten. Viele verbinden mit so einer Reise Sommer, Sonne, Kaffeetrinken, Sonnenunterg\u00e4nge, Spa\u00df und Erholung. Nein, das ist es nicht, hier ist kaum etwas entspannend. Ich habe nicht vier Monate Urlaub auf dem Wasser gemacht, ich habe auch keine Auszeit gehabt, wovon denn auch. Es ist eher eine Entdeckungsreise gewesen, Erfahrungen machen und beobachten &#8211; ein Projekt? Oder auf der Suche sein, wie es mir ein Engl\u00e4nder auf den Kopf zugesagt hat?<\/p>\n<p>Von dieser sch\u00f6nen Segelwelt, wie sie in Hochglanzbildern dargestellt wird, Sonne und leichte Brise, ist dies hier weit weg. Sonnenschein geht oft mit Flauten zusammen, da ist dann nichts mit Segeln. Wenn die Sonne den ganzen Tag brennt und du ihr 12 Stunden lang ausgeliefert bist, ist das keine Erholung. Es gibt keinen Schatten, kein Pl\u00e4tzchen, wohin du dich verziehen kannst &#8211; keine Poolbar. Ich bin \u00f6fters im Hafen geblieben und habe mich unter Deck verzogen und lernte die Sonne zu hassen. Auf gr\u00f6\u00dferen Yachten haben sie in diesen Gegenden und s\u00fcdlicher oft ein Bimini-Top, ein \u201eDach\u201c im Cockpitbereich, oder ein gr\u00f6\u00dferes Sprayhood im Niedergang. Das ist auch bitter n\u00f6tig, reist man in den S\u00fcden. Auf kleinen Booten l\u00e4sst sich dies nicht verwirklichen. Und wer kennt das andere Extrem schon, nach vielem Regen oder Nebel die Feuchtigkeit im Boot m\u00fchsam mit Elektrol\u00fcftern auszudunsten. Es muffelt manchmal gewaltig.<\/p>\n<p>Damit kommen wir zum wesentlichen Bestandteil der Reise, das Boot. Meine \u201eamica\u201c ist klein. Die Seet\u00fcchtigkeit wird u.a. durch das Br\u00fcckendeck gew\u00e4hrleistet, eine Verbindung zwischen den Seitendecks im Niedergang zur Kaj\u00fcte. Ein- und Aussteigen ist ganz sch\u00f6n unbequem, erst einen halben Meter hoch und dann etwas mehr als einen Meter runter bis zum Fu\u00dfboden mit nur einem Tritt. Eine Treppe w\u00fcrde viel zu viel Platz wegnehmen. Wenn das Schiebeluk ganz auf ist, hast du f\u00fcr diese Kletterei etwa einen Platz von 60&#215;60 cm. Machst du das Schiebeluk nicht ganz auf, gibt es Beulen am Kopf und\/oder blaue Flecken an Schulter und R\u00fccken. Unterwegs in die Kaj\u00fcte zu kommen, ist bei Seegang kaum m\u00f6glich. Dann gibt es nichts zu essen oder gar einen Kaffee, der ja immer in einer Thermoskanne bereit steht. Besonders bl\u00f6d ist es, wenn die Wasserflasche aus der Halterung rutscht und gaaanz\u00a0 unten in der Kaj\u00fcte landet. Dann ist schnelle Akrobatik verlangt oder es gibt keinen Schluck bis zum n\u00e4chsten Hafen. Es gibt also keine Gem\u00fctlichkeit bei einer Tasse Kaffee im Cockpit. Ach ja, eine Nasszelle mit WC gibt es selbstverst\u00e4ndlich nicht an Bord, die P\u00fctz muss reichen. Ich k\u00f6nnte diese Beschreibungen des Bordalltags noch umfangreich erg\u00e4nzen, aber lassen wir das.<\/p>\n<p>Meine \u201eamica\u201c ist auch sportliches Boot. Schnelles Segeln ist sch\u00f6n, flinke Man\u00f6ver ebenso und die Wendigkeit im Hafen beeindruckt so manchen. Unterwegs bei Seegang klemmt man sich fest, st\u00fctzt sich mit den F\u00fc\u00dfen ab, da kann man sich nicht mehr frei bewegen. Und das stundenlang. Da sind mir schon \u00f6fters die Beine eingeschlafen und ich musste mir eine Technik entwickeln, wie ich von einer Pobacke auf die andere wechseln kann, ohne meine Sitzposition zu verlassen. Das geht!! Gut, auch die Arme werden manchmal m\u00fcde. Da ist das Wechseln nur bedingt m\u00f6glich, denn sich einfach auf die andere Seite nach Lee zu setzen, geht in der Regel nicht. Auch 8 Stunden oder gar mehr unter Motor fahren ist keine Erholung.<\/p>\n<p>Beim Segeln ist meine Augenh\u00f6he etwa einen Meter \u00fcber Wasser, da erscheinen Wellen schnell sehr gro\u00df und die klatschen logischerweise auch schneller \u00fcber Deck. Das erfordert dann eine permanente Aufmerksamkeit gegen\u00fcber der See, will man m\u00f6glichst wenig Brecher an Deck haben. Vier Stunden in der See konzentriert zu segeln, schlaucht gewaltig.<\/p>\n<p>Nun werden vielleicht einige anmerken, der hat doch einen Windpiloten. Diese Selbststeuerungsanlage ist wirklich hervorragend, unter vielen Bedingungen, aber eben nicht allen. Wenn kein Wind geht, funktioniert sie nicht, logisch. Vor dem Wind ist \u201eamica\u201c oft zu schnell, besonders bei schwachem Wind. Da sp\u00fcre ich auf der Backe auch keinen Luftzug, fahre aber bei 2 Bft schon 3 Knoten. Auch beim Surfen, also Geschwindigkeiten oberhalb der 6,5 Knoten, lasse ich die Pinne nicht mehr los. Es geh\u00f6rt viel Gef\u00fchl dazu, den richtigen Zeitpunkt zwischen drucklosem Steuern und Pinnendruck abzupassen, damit \u201eamica\u201c nicht querschl\u00e4gt.\u00a0 Und dann gibt es noch zu hohe See. Wenn \u201eamica\u201c \u00fcber die Wellenspitzen kippt, dann schwingt sie schnell von einer Seite auf die andere und wir haben pl\u00f6tzlich Wind von der Seite. Und zus\u00e4tzlich kommt das Heck sehr frei, das Ruder des Windpiloten ist dann nicht mehr im Wasser. F\u00fcr so etwas ist der Windpilot auch nicht gedacht, aber halben Winds das Boot laufen zu lassen, ist mit dieser Automatik einfach klasse.<\/p>\n<p>Ich habe auf dieser Tour die Grenzen gefunden, was ich mir selbst noch antun kann und wo auch f\u00fcr ein kleines Boot Schluss ist. Ohne absolute Nippzeit und Flaute keine Raz Blanchard am Cap La Haque mehr. Nachtr\u00e4glich bin ich auch froh gewesen, nicht an der S\u00fcdk\u00fcste Englands weitergefahren zu sein. Da gibt es auch noch Races und Eddies, besonders das Portland Race, das nur kurzzeitig zwischen 2 Tiden passierbar ist. Dies betrifft nat\u00fcrlich in erster Linie die K\u00fcstensegler. Wer eine gro\u00dfe Yacht hat, umf\u00e4hrt diese gef\u00e4hrlichen Gebiete weitr\u00e4umig.<\/p>\n<p>Meine \u201eamica\u201c ist eine alte Dame, so hat es eine Holl\u00e4nderin formuliert, immerhin jetzt 46 Jahre alt. Zwar sind Waarschips sehr stabil gebaut, verklebt und verschraubt, doch wie lange halten denn Leimn\u00e4hte? Ich habe leider feststellen m\u00fcssen, andauerndes in die Welle fallen ist nicht gut. Die leckende Stelle von \u201eamica\u201c ist definiert und deshalb auch einfach zu reparieren, doch m\u00f6chte ich nicht, dass sich noch andere Stellen entwickeln, an denen Leimn\u00e4hte aufgehen. Also bitte nur noch sanftes Segel.<\/p>\n<p>Und ich werde vielleicht auch zu alt f\u00fcr so eine Tour. Mir fehlt der ausreichende Schlaf, meine Muskeln schmerzen, gut, die blauen Flecken sind weniger geworden, aber daf\u00fcr haben sich Verspannungen im Hals und R\u00fccken entwickelt, die letzten Tage waren einfach schon zu kalt. Die einseitige Haltung auf langen T\u00f6rns tut ihr \u00dcbriges. Manchmal hatte ich auch den Eindruck, mir fehlt es langsam an ausreichender Kondition und Kraft. Dann wird man fahrig beim Anlegen, ist aber immer noch gerade eben gut gegangen. Das sind solche Dinge, wie die Fender falsch angebracht zu haben, die Leinen nicht richtig klar gelegt zu haben und zu langsam beim Ausbringen der Leinen zu sein. Und dass die neuen noch harten Segel nicht so einfach fallen wie die alten, hat mich auch so manchmal genervt.<\/p>\n<p>Das Obige habe ich geschrieben, um es deutlich zu machen, es ist hartes Segeln. Und ich habe mir dies zugetraut. Diese Single-Hand-Regattasegler in Frankreich gehen auch bewusst Strapazen ein und es z\u00e4hlt nur, dabei gewesen zu sein, es gemacht zu haben. Da gibt es sicher eine Parallel zu meinem T\u00f6rn. Dies geh\u00f6rt sch\u00f6n zu den positiven Seiten der Reise, es gemacht zu haben, es ausgehalten zu haben und irgendwie zu einem Kreis von Seglern zu geh\u00f6ren, die dem Meer etwas abtrotzen. Dies st\u00e4rkt enorm das Selbstbewusstsein und das strahlt aus. Es hat sich eine innere Ruhe in mir entwickelt, und ein anderer Blick auf die Welt.<\/p>\n<p>Der sch\u00f6nste Satz ist vielleicht: Ich bin als Norddeutscher losgefahren und komme als Europ\u00e4er zur\u00fcck. Es gibt kein Zentrum mehr, das ich Heimat nennen m\u00f6chte, in den befahrenen Gegenden f\u00fchle ich mich genauso zuhause. Es hat sich eine Verbundenheit mit den K\u00fcstenregionen von England, Frankreich, Belgien, ja auch den Niederlanden und Friesland entwickelt. Ich glaube, ich k\u00f6nnte dort \u00fcberall leben. Ich habe wohl viel zu oft einen Urlaub mit Boot in den skandinavischen L\u00e4ndern verbracht, dort kenne ich dieses Gef\u00fchl nicht. Das sind da sch\u00f6ne Gegenden, ein tolles Segelrevier, aber mehr auch nicht. Da kann man der See nichts abgewinnen, ist h\u00f6chstens froh, schnell einen sicheren Hafen anlaufen zu k\u00f6nnen, weil es zu unbequem wird.<\/p>\n<p>Dabei sind mir durchaus die Unterschiede gerade in Bezug zu England und Frankreich aufgefallen, die Menschen verhalten sich anders als bei uns. Die Lebenskultur in den Niederlanden und auch teilweise Belgien ist der unseren sehr \u00e4hnlich. Hektik im Alltag, teilweise Arroganz gegen\u00fcber dem Anderem. Im Gespr\u00e4ch habe ich gesp\u00fcrt, da ist eine Unehrlichkeit in deren freundlichen Umgangsform. Gesch\u00e4ftiges Gerede eben, das nicht nach tieferem Sinn fragt oder vielleicht auch keine Ahnung davon hat.<\/p>\n<p>In Frankreich erlebte ich zum gro\u00dfen Teil ein offenes Gesicht, die sprechen ja auch mit ihrer Gesichtsmuskulatur. Ein Oui oder ein Pourquoi sieht auch im Gesicht so aus. Ob die sich \u00fcberhaupt verstellen k\u00f6nnen? Ich kenne nun keine urbanen Zentren wie Paris, da mag das alles anders sein, die Menschen verhaltener und geschliffener. Wie in jeder europ\u00e4ischen Gro\u00dfstadt gleicht sich wohl alles an. Hier an der K\u00fcste ist es noch mehr Frankreich zu sp\u00fcren und nat\u00fcrlich l\u00e4stern sie hier \u00fcber die Pariser. Und ja, ich kenne die politische Landschaft an der K\u00fcste, insbesondere das mit den Fischern ist mir sehr nahegegangen. Zentralismus war schon immer ein Problem in Frankreich und nun gibt es auch noch unverst\u00e4ndliche EU-Entscheidungen \u00fcber die K\u00f6pfe der Betroffen hinweg. Bei welchen Rattenf\u00e4ngern die ihr Kreuz machen, ist mir dann schon klar.<\/p>\n<p>Hatte ich bei meiner in Ankunft in England zun\u00e4chst etwas entt\u00e4uscht auf die Art der Kommunikation reagiert, ist mir dann doch von vielen englischen Seglern das Bild zurechtger\u00fcckt worden. Die Gegend von Dover bis Southampton ist eher dem Einfluss des urbanen Molochs London zuzurechnen. Die Menschen dort kommen nur schwer aus sich herausraus. In der Kneipe nach ein paar Bieren soll das ja leichter fallen. Wenn du sie dann in Frankreich triffst, sind das sehr mitf\u00fchlende Gespr\u00e4chspartner. Ich habe gerade von diesen Seglern sehr viel wissende Anerkennung erfahren, kein oberfl\u00e4chliches Schulterklopfen (Toll, was du da machst), sondern ein nachfragendes tiefes Verstehenwollen. Das hat mich mit allen negativen Erfahrungen an der englischen K\u00fcste sofort vers\u00f6hnt. Und manchmal denke ich sogar, diese Engl\u00e4nder sind europ\u00e4ischer als wir. Jedenfalls in den Werten, im F\u00fchlen, es gibt bei ihnen ein Jenseits des Business. Handel ist ja sch\u00f6n, aber wenn dar\u00fcber jegliche Ethik, jegliches moralische Verhalten verloren geht, stimmt etwas nicht mehr mit dieser Welt.<\/p>\n<p>Normannische Fischer fischen haupts\u00e4chlich Krustentiere und Muscheln. Nach franz\u00f6sischem Recht d\u00fcrfen die erst ab Oktober gefangen werden, um die Best\u00e4nde zu erhalten. Frankreich hat hier EU-Recht in Landesrecht umgesetzt, England hat dies nicht getan. Und so kommen die englischen Fischer im September auf die franz\u00f6sische Seite her\u00fcber und fischen schon einmal. Noch sind sie ja in der EU und d\u00fcrfen das. Wer soll diese Ungerechtigkeiten erkl\u00e4ren? Der Zorn der Franzosen ist mehr als verst\u00e4ndlich. Das Leben an dieser K\u00fcste ist sicher nicht von Reichtum gepr\u00e4gt. Moderne Sklaverei kann man nicht \u00fcbersehen. Auffallend viele Afrikaner dingen sich als Helfer auf M\u00e4rkten und in der Fischerei. Ja, man kann auch wegschauen und nur die bunten Seiten betrachten, viele Touristenshops mit Mode und anderen Krimkrams.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich bin ich auch mit denjenigen Langfahrtsegler zusammengetroffen, die einfach ein anderes Leben wollen, abseits von sich permanent beweisen m\u00fcssen, Erfolg haben m\u00fcssen und dies alles auch zu zelebrieren, zeigen zu m\u00fcssen. Ich habe mich dann doch gewundert, wie viele Menschen es gibt, die bei diesem System nur f\u00fchlen: b\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4h! Pourquoi? Why? Was soll das? Leben ist zu vielseitig, um sich in dieser Maschine abzum\u00fchen, selbst deren Bestandteil zu werden und daran zu leiden. Und am Ende dann festzustellen, ja war\u2018s das? Aber wer stellt sich diesen Fragen noch.<\/p>\n<p>Die Gruppe der Langzeitsegler scheinen im Unterschied zu den Welt-, Karibik-, Island- und Gr\u00f6nlandseglern sehr gro\u00df zu sein. Es sind keine vor\u00fcbergehenden Aussteiger auf Abenteuersuche, keine \u201eWir-wollen-einmal-um-die Welt-Segler\u201c und keine J\u00e4ger nach Erfolgen, Rekorden und Besonderheiten. Logischerweise l\u00e4sst sich dies nicht vermarkten und man sucht verschriftete Erfahrungen auf dem einschl\u00e4gigen B\u00fcchermarkt vergebens. Sie haben ihr Leben an Land mit dem Leben an Bord getauscht. \u00d6fters liegt man im Hafen, schlie\u00dflich will man ja nicht irgendwohin, sondern nur einfach da sein, in einer anderen Welt.<\/p>\n<p>Die Vorstellung, dass sich so etwas nur leisten kann, wer gen\u00fcgend Geld hat, ist falsch. Man muss es wollen. Eher scheint es umgekehrt zu sein, die finanziell Beg\u00fcterten trifft man hier gar nicht. Die lieben wahrscheinlich Bequemlichkeiten zu sehr, die man sich alle kaufen kann. In der Regel trifft man hier Menschen ab 50 aufw\u00e4rts, die alle ihre Erfahrungen gemacht haben und nachdenklich geworden sind. Aber auch einige J\u00fcngere ab 30, die gar nicht erst in diese Welt eintauchen wollen und wissen, dass sie sowieso bald den Einstig in eine erfolgreiche Karriere verpasst haben. \u00a0Allen gemein ist die Suche nach einer anderen Wertigkeit in dieser Welt.<\/p>\n<p>Gespr\u00e4che unter ihnen drehen sich nicht nur um Ausr\u00fcstung, Technik, Erfahrungen mit Str\u00f6mungen und Wind. Schnell kommt man auf eigene Befindlichkeiten: Kannst du noch? Warum bist du hier? Und auf den Zustand der Welt oder Region, in der man sich gerade befindet. Dauerbrenner ist der Dreck im Meer, im Kanal schwappt da so einiges hin und her und den r\u00fccksichtslosen Spa\u00df, den man sich mit und auf den Kreuzfahrern g\u00f6nnt (Abgase, Luftballons steigenlassen).<\/p>\n<p>Ach ja, die Sache mit den Kassen der Superm\u00e4rkte, ich wollt es eigentlich schon viel fr\u00fcher berichten, so sehr hat mich das beeindruckt. Bei uns kommt man mit dem Einpacken gar nicht hinterher, wie an den Kassen gescannt wird. In Frankreich wird schon einmal ein l\u00e4ngerer Plausch gehalten, entweder man bringt Geduld mit oder beteiligt sich. Auch in England ist die Geschwindigkeit des Scannens \u00e4u\u00dferst reduziert. Eine Frage von Lebensqualit\u00e4t versus Arbeitsproduktivit\u00e4t oder eher, wer verdient daran wirklich?<\/p>\n<p>Leben ist mehr, als sich an Oberfl\u00e4chlichkeiten zu begeistern, die Konsumgesellschaft so bieten. Die Seele verk\u00fcmmert, das authentische (Er-) Leben geht verloren, die Sensibilit\u00e4t f\u00fcr Anderes ist abgestorben und wof\u00fcr? Multimedialandschaften ohne Ende, Anh\u00e4ufung von Unn\u00fctzen, Geld auf dem Konto und Aufz\u00e4hlen von fragw\u00fcrdigen Erfolgen.<\/p>\n<p>Die Intention unter uns (ich rechne mich inzwischen dazu) Langseglern ist identisch, wir suchen nachdem, was uns verloren gegangen ist. Und wir finden einen gro\u00dfen Reichtum, der uns Staunen l\u00e4sst und begeistert. Nur dies mit anderen zu teilen, die nicht in dieser Erfahrungswelt waren, f\u00e4llt sehr schwer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielfach wurde und werde ich in letzter Zeit von Leuten angesprochen, die meinen, was ich doch f\u00fcr eine tolle Reise mache oder gemacht habe. Insbesondere erstaunt es mich immer wieder, dass auch langj\u00e4hrige SeglerInnen kaum eine Vorstellung davon haben, wie das so geht mit diesem Boot. Sie w\u00fcrden ja gerne selber solche Reisen unternehmen. 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