{"id":633,"date":"2016-09-12T11:44:56","date_gmt":"2016-09-12T09:44:56","guid":{"rendered":"http:\/\/waarschip-725-auf-langer-fahrt.de\/?page_id=633"},"modified":"2019-11-14T17:00:17","modified_gmt":"2019-11-14T16:00:17","slug":"und","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/waarschip-725-auf-langer-fahrt.de\/fr\/und\/","title":{"rendered":"Und?"},"content":{"rendered":"<h4>Was bleibt<\/h4>\n<p>Hin und wieder zur\u00fcck. Ich habe es geschafft! Nur das ist wichtig. Und es war kein Urlaubst\u00f6rn, das merke ich immer mehr. Die letzten 3 Wochen waren eher von der Disziplin gepr\u00e4gt: Ablegen, Fender und Leinen verstauen, Segelsetzen, so gut es geht Strecke machen, Segelbergen, Leinen und Fender raus, Anlegen, Aufklaren, morgens oder abends ab und zu einkaufen, Essen machen, abwaschen. Es passiert eine Menge am Tag. Das geh\u00f6rt dazu, jeden Tag.<\/p>\n<p>Und There and Back Again, lieber Bilbo. Du hattest Recht, man kommt anders wieder als man losgefahren(-gegangen) ist. Bleibt das so, oder passt man sich schnell wieder an? Schon in Cuxhaven beginnt das Verblassen und Vergessen. In welchen H\u00e4fen war ich noch? Was bleibt ist das Gef\u00fchl einer anderen Welt, die da drau\u00dfen existiert. Es sind Erfahrungen, die man nicht vergessen wird und Herausforderungen, die man bestanden hat. Unterwegs sein ist doch etwas anderes, als man das planen kann oder auch nur vermitteln kann.<\/p>\n<p>Meine amica hat durchgehalten, davon war ich zu Beginn der Reise nicht einfach ausgegangen. Sie hat mich sicher zur\u00fcckkehren lassen. Ein alter Vierteltonner in ungewohnten Revieren, ziemlich weit weg f\u00fcr ein Boot mit einer L\u00e4nge von 7,25 m. Keine Sch\u00e4den, keine Reparaturen. Hier und da mal einen Bolzen anziehen, ein wenig optische Pflege. Es bleibt ja immer die bange Frage, was darf man einem alten Boot zutrauen, was h\u00e4lt es noch aus.<\/p>\n<p>Auch ich habe es \u00fcberstanden, klar, ein wenig abgebaut, aber gesund und hungrig.<\/p>\n<h4>Was hat mich besonders beeindruckt?<\/h4>\n<ul>\n<li>die Steilk\u00fcste von Le Treport bis Etretat<\/li>\n<li>der Tidenhub bis zu 8 m und trockenfallende Zufahrten<\/li>\n<li>die Str\u00f6mungen bis hin zu races<\/li>\n<li>die sich schnell aufbauende See<\/li>\n<li>eigenartige Wolken<\/li>\n<li>H\u00f6flichkeit und Respekt der Menschen in Frankreich<\/li>\n<li>leben und leben lassen<\/li>\n<li>und trotz allen Schreckens: libert\u00e9 toujours<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Erfahrungen mit dem Revier<\/h4>\n<p>Die franz\u00f6sische K\u00fcste kennt viel Tidenhub und kr\u00e4ftige Str\u00f6mungen, das war f\u00fcr mich die Herausforderung. Der Nautical Reeds und noch besser der Bloc Marine enthalten dazu viel Informationen. Leider kann man aus diesen Handb\u00fcchern nur wenig Informationen entnehmen, wie denn nun genau die Str\u00f6mung vor der Hafent\u00fcr l\u00e4uft. Das wissen aber die Menschen im Harbour-Office sehr genau, oft findet man auch entsprechende Aush\u00e4nge in den H\u00e4fen. Im Unterschied zur deutschen Bucht, in der auf See wenig Str\u00f6mung vorhanden ist, werden im Kanal gro\u00dfe Wassermassen bewegt. Sehr schnell kann sich deshalb eine gro\u00dfe Stromsee aufbauen und es gibt diese Ecken mit den Raz\/races\/Stromschnellen. Dazu diese D\u00fcnungen von weit her, lang, regelm\u00e4\u00dfig. Meteofrance.com ver\u00f6ffentlicht einen sehr guten Wetterbericht, der auch den Seegang genau beschreibt. Da darf man sich dann wundern, wenn 2 \u2013 4 m See angesagt werden, wo doch einmal gerade 4 &#8211; 5 Bft herrschen. Es stimmt aber in der Regel. Auch bei 3 \u2013 4 Bft laufen da schon brechende Wellen mit 2 m H\u00f6he. Also den Respekt vor diesem Seegebiet bekommt man ganz schnell. Das ist schon alles spannend, erlebnisreich und wenn man es geschafft hat, ist man darauf schon ein wenig Stolz.<\/p>\n<h4>Soll man eine solche Reise zweimal machen?<\/h4>\n<p>Ich bin da gespalten. Einerseits dieser Wunsch, das alles noch einmal zu sehen und zu erleben, andererseits aber auch die Erfahrung, es wir langweilig. Die Bretagne und England stehen noch aus. Ab Brest ist es wesentlich dichter nach Spanien und Portugal wie nach Hause. Eine andere Idee.<\/p>\n<h4>Zu den Kosten einer solchen Reise<\/h4>\n<p>Meine amica war gut ausger\u00fcstet, die Anschaffungen lasse ich hier mal beiseite, sind sie doch f\u00fcr mehr als eine Tour n\u00fctzlich. Sch\u00e4den gab es unterwegs nicht, also fielen auch keine Reparaturkosten an. Das Hafengeld hat mehr als die H\u00e4lfte aller Ausgaben ausgemacht, dies hatte ich auch so erwartet. Die hohen Hafengeb\u00fchren zahlt man an der holl\u00e4ndischen K\u00fcste und ab Le Havre nach Westen, f\u00fcr meine Bootsgr\u00f6\u00dfe unter 8m immer so um die 20,- \u20ac. Le Havre mit 22,50 \u20ac war der teuerste Hafen. Allerdings muss man auch dazu sagen, dass der Service in franz\u00f6sischen H\u00e4fen sehr gut ist, bis hin zu Wifi free.&nbsp; Insgesamt bin ich aber deutlich unter meiner Vorgabe von 1000,- \u20ac pro Monat geblieben und das lag nicht nur daran, dass ich schon vorher so viel Proviant eingepackt hatte. Selbst wenn man zu zweit unterwegs ist, glaube ich nicht an wesentlich h\u00f6here Kosten. Lebensmittel sind nicht der gro\u00dfe Posten. Dass zu Hause weiter Kosten anfallen, ist schon eher eine finanzielle Belastung. Wirklich bewusst gespart habe ich an Kommunikationskosten (Telefonieren, mobiles Internet) und dem Essen gehen.<\/p>\n<h4>Allein sein<\/h4>\n<p>Wann ist man eigentlich allein? Naja gut, es ist keine zweite Person an Bord, mit der man sich austauschen k\u00f6nnte. Aber das Gef\u00fchl des Alleinseins hat sich bei mir nicht eingestellt. Ich habe mich, ich habe meine amica und ich habe viele Dinge, mit denen ich mich besch\u00e4ftigen kann und muss. Zudem bin ich die meiste Zeit im Hafen und an Land. Dort trifft man viele Leute, mit denen man sich unterhalten kann. Zuweilen habe ich mich unter Deck verzogen, weil mir die st\u00e4ndigen Erkl\u00e4rungen (meist in englischer Sprache, denn Franz\u00f6sisch kann ich nun mal nicht) zu meinen \u201ejolie Bateau\u201c, zur Windsteueranlage und anderen Details zu viel wurden. Kommunizieren ist ja, wenn man K\u00fcstenfahrt betreibt, \u00fcberhaupt kein Problem. Mobil telefonieren, SMS schreiben, Internet und Email ist permanent m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Anders ist dies nat\u00fcrlich unterwegs, alles muss wohl\u00fcberlegt angegangen werden, fast jeder Handgriff ist vorausschauend geplant. Es gibt ja niemanden, dem man sagen kann: mach mal die Leine fest, zieh mal an der Schot oder wo bleibt der Kaffee! Jeder Schritt will wohl\u00fcberlegt sein und sei es, sich einen Schokoriegel aus der Kaj\u00fcte zu holen. Es gibt einfach niemanden, mit dem man sich die Arbeit teilen kann. Also hatte ich immer verdammt viel zu tun, besonders beim Aufklaren des Bootes nach dem T\u00f6rn. Auch unter Deck muss ich immer alles allein aufr\u00e4umen und sichern, denn eine kleine Unachtsamkeit r\u00e4cht sich schnell, z. B. wenn sich die Abwaschsch\u00fcssel ausleert, weil sie nicht sicher eingeklemmt war.<\/p>\n<p>Vielleicht eine besondere Eigenart beim Einhandsegeln: ich rede mit mir selbst und meiner amica. Dabei gehe ich mit mir immer sehr streng um: Was f\u00fcr eine Quatsch hast du denn da wieder gemacht! Du bist doch ein Bl\u00f6dmann! Kannst du nicht mal die Leine richtig belegen! Zum Gl\u00fcck h\u00f6rt mich ja keiner, ich glaube mit \u201ader hat ja eine Schraube locker\u2018 w\u00e4re ein Kommentar noch h\u00f6flich.<\/p>\n<p>Aber auch meiner amica muss ich manchmal sagen, wenn sie wieder eigenwillig den Kurs \u00e4ndert (Wellen, Winddreher): du f\u00e4hrst jetzt bitte dahin. Dann unterst\u00fctze ich sie an der Pinne, damit der Kurs wieder stimmt. Und Lob bekommt sie auch, wenn sie eine Welle klasse angeschnitten hat (keine Spritzer an Deck). Okay, ihre Antworten muss man erahnen und interpretieren, das summiert sich dann in der Aussage: ein klasse Boot.<\/p>\n<p>Dass man auch mit vielen Menschen um sich herum allein sein kann, habe ich beruflich oft genug erfahren. Ich habe mich auf der Tour nicht allein gef\u00fchlt. Mit sich gut zurechtzukommen ist ein erhebendes Gef\u00fchl: ich kann das, ich schaffe das\u2026<\/p>\n<p>Die Empfinden und Erfahrungen auf meiner Reise direkt mit Menschen zu teilen, ist nat\u00fcrlich noch etwas ganz anderes.<\/p>\n<h4>Sicherheit<\/h4>\n<p>Ein Dauerthema in jedem Hafen mit anderen Seglern war die Sicherheit an Bord und beim Segeln. Der Austausch von Erfahrungen und Einsch\u00e4tzungen stand dabei im Mittelpunkt. Allein unterwegs machte ich mir ja st\u00e4ndig Gedanken \u00fcber m\u00f6gliche gef\u00e4hrdende Situationen und das machten andere ebenso. Immer wieder wurde der schlimmste Fall besprochen: das \u00dcber-Bord-gehen. Erstaunlich fand ich die Einsch\u00e4tzung von vielen Fahrtenseglern, dass auch mit der perfektesten Ausr\u00fcstung die \u00dcberlebenswahrscheinlichkeit im Wasser nicht sehr gro\u00df sei. Da st\u00fcnden einfach zu viele biologische\/medizinische Fakten dagegen (Schnappatmung mit Wasserschlucken, Kreislaufversagen, Ausk\u00fchlung). Das Hauptaugenmerkt sollte vielmehr in der Vermeidung solcher Situationen liegen.<\/p>\n<p>Angurten mit einer Lifeline scheint die richtigen Antwort zu sein, doch habe ich in den Gespr\u00e4chen mitbekommen, wie wenig sich Segler um die Anbringen von Gurten und die L\u00e4nge einer Sicherungsleine Gedanken machen. Es n\u00fctzt ja recht wenig, wenn man zwar mit dem Boot fest verbunden ist, aber an der Bordwand h\u00e4ngt. Der Bewegungsspielraum muss so klein sein, dass man gar nicht erst \u00fcber die Deckskante hinaus rutschen oder fallen kann. Klar ist das unbequem und dabei muss man sich sicher \u00f6fters an anderen Punkten einhaken. Dabei gilt das Zwei-Haken-Prinzip, ein Punkt ist immer fest, also erst mit dem zweiten Karabiner einhaken, bevor man den ersten l\u00f6st.<\/p>\n<p>Doch viel intensiver habe ich unterwegs mit vielen Leuten \u00fcber das sichere Handling eines Bootes gesprochen. Im Prinzip sollte man mit verbundenen Augen sein Boot bedienen k\u00f6nnen. Das hei\u00dft also, immer zu wissen, wo sich was befindet und wie es bedient wird. Nachdenken macht man vorher &#8211; vorausschauendes Handeln. Aber man sollte auch alle m\u00f6glichen Verletzungsgefahren minimieren. Da gibt es auf jedem Boot wahrscheinlich noch viel zu tun. Unterwegs war ich st\u00e4ndig dabei, das Handling zu verbessern und hier und da Unn\u00fctzes abzubauen und auch Verletzungspunkte umzubauen.<\/p>\n<p>Beim Thema Verletzung wurde immer wieder die mezinische Versorgung an Bord thematisiert. Wer hat eigentlich noch eine wasserdichte Erste-Hilfe-Box an Bord, die auf aktuellen Stand ist? Welche Medikamente sollten darin sein. K\u00f6nnen wir mit Verb\u00e4nden und Medikamenten umgehen. Und was muss an Bord sein? Wer nicht gerade seine Box erneuert hatte, schmunzelte dabei etwas. Doch dies Thema ist im akuten Fall ernster, als man sich das ausmalen kann.<\/p>\n<p>Die Grenzen der eigenen Leistungsf\u00e4higkeit zu kennen geh\u00f6rt zu den wichtigsten Voraussetzungen, bevor man in See sticht. Ich habe vielfach die Meinung geh\u00f6rt, es g\u00e4be Menschen, die h\u00e4tten auf See nichts verloren, gerade in Revieren, die man als anspruchsvoll bezeichnet. Dass man \u00fcber alle Bedingungen (Wetter, Str\u00f6mungen, Seegang, Schiffsverkehr und Fischerbojen) im Revier informiert ist, gilt als Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Tja, manche fahren da sehr blind herum.<\/p>\n<h3><\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was bleibt Hin und wieder zur\u00fcck. Ich habe es geschafft! Nur das ist wichtig. Und es war kein Urlaubst\u00f6rn, das merke ich immer mehr. 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