Cherbourg – La Rochelle

Lezardrieux

Sonntag 31. Juli 22

Ich bin meinem Plan voraus, jetzt schon in der Bretagne war nicht beabsichtigt, aber was soll es. Die Wetterbedingungen waren optimal, wenn sich auch der Wind nicht oft an die Vorhersagen hielt. Nun habe ich hier mindestens 3 Tage Westwind, also gibt es eine Pause in diesem schönen Ort.

In Cherbourg traf ich eine Reihe sehr netter Menschen, Gesprächsthema mein Boot (petit bateau) und nach dem Woher und Wohin, mein Törn nach Spanien. Und hier ist es sehr international, es waren vertreten: Yachten aus Schweden und Norwegen, aus England, auch nicht wenige aus Deutschland und natürlich aus den Niederlande und Belgien. Cherbourg ist ja auch der Hafen auf den Weg von Ost nach West und umgekehrt. Auch im Bureau du Port habe ich einen längeren Plausch gehalten, weil die nette Frau wohl gerne einmal deutsch sprechen wollte. Die sind hier echt multilingual.

Nur leider sind die Bedingungen für meinen Weg nach Westen immer noch gut, leichter Wind aus Nord, die Möglichkeit, das Cap bei gerade einsetzender Strömung nach Westen zu runden und nicht heiß. Ich bin leider etwas spät los. Die Strömung lief schon ab Cherbourg gut nach West und zur Spitze sind es ja noch 13 Meilen. An der Spitze hatte ich dann gut 6 Knoten Strom mit.

Die Tonnen sind schnell

Das Raz Blanchard war gemessen am Raz Pointe de Barfleur gemäßigt, heftige Bewegungen im Boot gab es trottzdem.

Und schnell waren wir auch – über Grund, abzulesen oben rechts 11,2 Knoten

Und nun? Ja, eigentlich wollte ich nach Dielette, nur würde ich dort bei Niedrigwasser ankommen. In den Hafen kommt man erst 3 Stunden danach, also gegen 19 Uhr. Zur gleichen Zeit wäre ich auch auf Guernsey. Auf nach Guernsey. Der Wind war wieder auf null, nach dem Cap war es auch kaum besser. Erst kurz vor Guernsey konnte ich wieder segeln. Auf Guernsey ist alles teuer, das war eigentlich schon immer so. Und vieles funktioniert nicht oder schlecht. Als ich beim Bezahlen war, schmiss der Habourmaster sein schönes iPhone mehrere Male auf den Tresen, weil die Verbindungen abbrachen. Über die Sanitäranlagen verliere ich lieber kein Wort. Zum Glück war dann für morgen eine passende Windrichtung vorhergesagt, auch sollte der Wind moderat bleiben. Also nur gleich wieder weg. Guernsey kann ich mir nicht leisten.

48 Seemeilen bis Lezardriaux. Passend Strömung gibt es auf der Strecke nicht, immer quer, manchmal auch quer gegen an. Auf halber Strecke dann ein Felsen (Plateau des Roches Douvres) im Wasser, mit Turm darauf und einigen flachen Stellen rings herum. Mit Plotter war das kein Problem. Ab hier frischte der Wind immer weiter auf 5 Bft auf. Ich habe rechtzeitig ein Reff gezogen, konnte mit leichtem Schrick in den Schoten den Kurs zur Einmündung des Triaux gut halten. Die Strömung setzte erst nach Westen und kurz vor der Einfahrt kräftig nach Osten. Das konnte ich später auf marinetraffic.com sehen.

Leider musste ich dann Hoch-am-Wind zwischen den Felsen durch und hier gab es eine Düse mit 6 Bft. Hauptsache keine Felsen treffen bei stark mitlaufenden Strom. Aber ich wusste ja, da drin ist gleich Abdeckung, um in Ruhe die Segel zu bergen. In dem schmalen Einschnitt nach Lezardriaux war dann der Wind weg und AIS wurde auch nirgendwo mehr empfangen.

Kurz zu AIS: Ich schalte jetzt 15 bis 30 Minuten vor einem Hafen mein AIS aus. Auf meinem Plotter ist nämlich alles nur noch schwarz, lauter schwarze Dreiecke, die sich überlagern. Es ist zur Unsitte geworden, im Hafen das AIS weiterlaufen zu lassen. Es besteht wohl erhöhte Kollisionsgefahr am Liegeplatz. Draußen auf See macht das ja Sinn, wenn auch vor der belgischen Küste zuweilen alles schwarz wurde. Es gibt inzwischen einfach zu viele Sender.

Aber Wrac’h

Dienstag, 9. August 22

Es mehren sich die Tage an Land, nicht immer nur Wind und Wasser, Strömungen, Dünung, Felsen und den günstigen Nordost nutzen. So langsam komme ich in Frankreich an, die Bretagne ist einfach schön. Zugegeben, erst war es der Westwind, der mich in Lèzardrieux festgehalten hat und nun ist der Nordostwind ein wenig zu stark hier an der Spitze von Finistère. So habe ich endlich die Zeit gefunden, mich an Land umzusehen.

In Lèzardrieux konnte ich den enormen Tidenhub von knapp 9m nicht übersehen oder ignorieren. Der Weg bei Niedrigwasser die Brücke hoch ist schon anstrengend, nicht nur ich habe da geschnauft.

Die Brücke bei pleine mer

Die Brücke bei basse mer

Hafen mit Tor bei pleine mer

Hafen mit Tor bei basse mer

Zwei Stunden zu Fuß unterwegs ist auch hier zuweilen anstrengend, so viel Rauf und Runter war ich schon lange nicht mehr gewohnt. Zu entdecken gab es neben der bretonischen Bauweise immer wieder auch die exotischen Pflanzen.

Bretonische Mauer

Blumen, die an der Straße wachsen

Ach ja und die Banane, die ich bereits 2018 entdeckt hatte, gab es immer noch. Ich vermute aber, das sind schon die Nachkommen.

Ich hatte am Ponton einen französischen Segler zum Nachbarn, der perfekt deutsch sprach, seine Mutter kam aus Deutschland. Wir kamen schnell ins Gespräch und ich konnte etwas Französisch lernen, vor allem aber konnte ich mir ein paar Fachbegriffe in Bezug aufs Segeln aneignen.

Die nächsten Häfen liegen hier alle nicht sehr weit auseinander, doch haben sie leider das Problem, nur um Hochwasser herum zugänglich zu sein. Auf Nachfragen konnte ich erfahren, dass die meisten Segler nur vorm Hafen ein wenig segeln. Selbst die Leute im Bureau du Port haben mit Achseln gezuckt bei meiner Frage, wie man denn den Hafen Perros Guirec von hier aus anlaufen kann. Mit der Strömung, soviel war ihnen klar, aber dann muss man Stunden vor dem Hafen warten, bis genügend Wasser wieder aufgelaufen ist. Nicht gerade praktikabel, insbesondere bei auflandigen Nordwind. Gut, so habe ich Perros gestrichen und mir Roscoff als Ziel ausgesucht, immerhin knapp 50 sm weit weg. Zudem konnte ich erst mittags los, weil dann die Strömung westwärts setzte.

Der angesagte Nordwind war natürlich mehr Nordwest und so hieß es, Segel dicht und Hoch-am-Wind einen langen Schlag segeln. Das war unruhig, stampfend und etwas nass. Auf halber Strecke hinter den Les Sept-Îles drehte der Wind auf NNE und der Rest nach Roscoff ging dann sehr schnell, auch dank der nun deutlich spürbaren Strömung. Die Felsen im Weg machen das Navigieren immer wieder spannend.

Nach Aber Wrac’h gab es endlich den ersehnten Nordostwind, ich musste nur die halbe Meile bis hinter die Île de Batz hoch ran, natürlich wieder nass, dann gab es einen Halben-Winds-Anlieger. Die Strömung war trotz der nahen Spitze der Bretagne schwach ausgeprägt, auch der Wind wurde immer weniger. Die letzte Stunde bis zur Einfahrt nach Aber Wrac’h war der Außenborder nötig, sonst hätte ich noch Gegenstrom abbekommen. Es gab es auch noch einen kurzen Besuch einiger Delfine, ganz klassisch mit dichter Begleitung am Boot. Sie haben es durch ihre Sprünge geschafft, ein paar Spritzer an Deck zu landen. Es wäre schön gewesen, diese putzigen Freunde zu filmen oder zu fotografieren, aber Dünung aus Nordwest mit ca. 1m und Dünung aus Nordost mit etwa 0,5m ließen mir keine Zeit dafür. Es war ein ziemlich anstrengendes Steuern, Pinne loslassen ging nicht.

amica in Aber Wrac’h

Les Alpes im Wasser, 4 km entfernt

Le Cafe

Captain

Schöne Bucht, auch zum Ankern

Jeder Bretone lebt vom Fischfang